Gutes Geschäft mit gutem Gewissen

Gutes Geschäft mit gutem Gewissen

August 22, 2010 in blog, green lifestyle

Gestiegenes Bewusstsein der Verbraucher und der Ausbau der Vertriebskanäle sind die Treiber für den Boom mit faire gehandelten Produkten. In Deutschland gaben die Konsumenten nach Auskunft des Branchenverbandes Forum Fairer Handel im vergangenen Jahr insgesamt 322 Millionen Euro aus,  dass entspricht einer Steigerung von 21 Prozent. In einem Gespräch mit thinkdock erklärt Markus Gilles vom Forum Fairer Handel die Hintergründe für das ungebremste Wachstum und die Perspektiven.

Die Branche hat längst die alternativen Nischen verlassen. „Der Kauf von faire gehandelten Produkten ist im Alltag integriert“,  so Markus Gilles, Öffentlichkeitsarbeiter beim Berliner Verband. Und bestätigt damit eine Forderung von Wissenschaftlern, das nachhaltige Produkte erst dann wirtschaftlich erfolgreich sind, wenn sie ebenso selbstverständlich und unkompliziert angeboten werden wie herkömmliche und der Kunde somit die Wahl hat.

Das Vertriebsnetz umfasst neben den 800 Weltläden, 30 000 Märkten im Lebensmittel-Einzelhandel sowie 15 000 Kantinen, Mensen und Restaurants – letztere verzeichnen ein Plus von 30 Prozent im Vergleich zu Vorjahr. Gerade im „Großverbrauchermarkt“ sieht Gilles noch erhebliches Potential, um „gutes Geschäft mit gutem Gewissen“ zu verbinden.  Hinzu kommen „konventionelle Marken“, die Gilles zufolge anfangen, ihre Produkte schrittweise nach Kriterien des fairen Handels zu produzieren.

Damit reagiert der Markt auf ein Bewusstseinswandel bei Verbrauchern, das sich dem Verband zufolge durch alle Schichten nachweisen lässt. Sind es in den oberen Einkommensschichten (ab 2500 Euro) 48 Prozent, die fair gehandelte Waren kaufen, werden am unteren Ende der Skala (unter 1000 Euro) immer noch 37 Prozent erreicht.

Ob Kaffee, Kakao oder Tee – innerhalb von 5 Jahren haben sich die Umsatzzahlen  verdreifacht. Hinzu kommt, dass auch in Non-Food-Bereich die aktuelle Wachstumskurve nur eine Richtung kennt: Spitzenreiter sind Textilien mit 140 Prozent, gefolgt von Blumen (ein Plus von 40 Prozent) und Kunsthandwerk (20 Prozent).

Doch die Konsumenten vertrauen nicht nur den Grundsätzen des fairen Handels – sie wissen  auch, was fair ist. Umfragen des Verbandes zufolge erkennen Konsumenten die entsprechenden Siegel und können sie auch gegenüber anderen Kennzeichnungen deutlich unterscheiden. Hinzu kommen die Sicherheit, dass die Verbraucher ihr Geld für Produkte ausgeben, die sowohl ethischen und sozialen Standards entsprechen sowie  eine mittlerweile konstant hohe Qualität bieten.

Was den Verbrauch und die Einstellung angeht, ist laut Gilles ähnlich viel Luft nach oben. Im europäischern Vergleich stellt Deutschland zwar den drittgrößten Markt, nach Großbritanien und Frankreich, überflügelt jedoch beide Länder beim Wachstum. Und das soll auch noch anhalten, hofft Gilles, denn beim Thema „Pro-Kopf-Verbrauch“ liegt Deutschland mit 4 Euro deutlich hinter den Bewohnern der britischen Halbinsel (15 Euro)

Und was machen Konsumenten, wenn sie faire gehandelten Produkten nicht im Sortiment ihres Einzelhandels finden? „Nachfragen“, rät Gilles, denn auch so komme die Nachfrage in Schwung.

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